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Der Naturtourismus hat in der letzten Zeit einen starken Zuwachs erfahren. Auch in Zukunft ist mit einem weiteren Anstieg der Branche zu rechnen (Coppes und Braunisch 2013). Im Nordschwarzwald ist vor allem seit der Gründung des Nationalparks ein erhöhter touristischer Druck auf die Fläche zu spüren (Nationalpark Schwarzwald 2019). Der gestiegene Tourismus gilt für viele Tierarten als einer der Hauptfaktoren für Störreize (Hirnschall et al. 2012). Der Nationalpark Schwarzwald möchte mögliche Auswirkungen der menschlichen Nutzung auf seine Fläche untersuchen und bei Bedarf passende Maßnahmen zur Störungsreduktion treffen. Deshalb beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Fragestellung, wie die menschliche Nutzung im Nationalpark Schwarzwald die Aktivität der Rothirsche (Cervus elaphus) beeinflusst.

Die Datengrundlage der Arbeit basiert auf den Daten eines Fotofallenmonitorings, das entlang von offiziell gesperrten Wegen erfolgte. Für die statistische Auswertung wurden für die Aktivität der Rothirsche Aktivitätskurven und -dichten über das Jahr und im Tagesverlauf mithilfe des Statistikprogramms R ermittelt. Diese wurden mit der menschlichen Aktivität verglichen, um Korrelationen zwischen der menschlichen Nutzung im Nationalpark und der Rothirschaktivität zu ermitteln.

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass sowohl Rothirsche als auch Menschen die Wege als Habitat nutzen. Die Aktivitätsmaxima von Mensch und Rothirsch im Jahresverlauf liegen in den Sommermonaten und weisen somit Ähnlichkeiten auf. Es kommt zu keiner räumlichen Meidung der Rothirsche an vom Menschen stark beeinflussten Flächen. Die Tagesaktivitätszeit des Menschen und Rothirsches weist jedoch starke Unterschiede auf. Es konnte ermittelt werden, dass die Hauptauftrittszeit der Rothirsche in der Nacht zwischen 22 und vier Uhr liegt, die der Menschen hingegen am Tag zwischen 11 und 14 Uhr. Außerdem konnte ein Trend festgestellt werden, dass Rothirsche vermehrt dann nachts auftreten, wenn die menschliche Tagesaktivität hoch ist. Rothirsche, die sich auf den Wäldern abseits des menschlichen Einflusses bewegen, weisen eine deutlich erhöhte Tagesaktivität auf. Somit kann von einer zeitlichen Meidung der Rothirsche bei den Bereichen gesprochen werden, die einem starken menschlichen Einfluss unterliegen.

Die Auswertung zeigt also, dass die menschliche Nutzung im Nationalpark für die natürlicherweise tagaktiven Rothirsche eine starke Verhaltensveränderung bewirkt. Eine GIS-basierte Analyse zur Störungsintensität zeigt außerdem, dass nur ein geringer Teil der Nationalparkfläche wenig durch öffentliche Wege zerschnitten ist. Deshalb wird empfohlen Wildruhezonen auf der Parkfläche zum Schutz der Rothirsche, aber auch weiterer Arten zu errichten. Besonders zwei momentan schon unzerschnittene Bereiche im Schönmünztal und am Hohen Ochsenkopf weisen hierfür ein Potenzial auf.


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