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Last changed on: 27.09.2017

Der Einfluss funktioneller Eigenschaften und Diversität der Verjüngung auf die Wechselwirkungen von Wildverbiss und Regenerationsdynamik in naturnahen Buchenmischwäldern

Project


Description

2016_WeWiReg

Die selektive Wirkung von Verbiss durch Rehwild und damit der Einfluss auf die Baumartendiversität mitteleuropäischer Laubwälder ist weitestgehend bekannt. Weniger bekannt ist jedoch,
i) wodurch die Präferenz des Wildes für einzelne Baumarten bestimmt wird und wie diese Zusammenhänge durch Standortfaktoren wie Licht oder Bodentyp modifiziert werden und
ii) welchen Einfluss Identität und Diversität der Nachbarschaftsarten in der Verjüngung auf die Präferenz des Wildes für einzelne Individuen haben,
iii) inwiefern die funktionellen Eigenschaften der Verjüngung die Reaktion der Baumarten auf Verbiss steuern.
Ziel des Promotionsvorhabens ist es deshalb, mittels empirischer Analyse von Felddaten und zusätzlicher Experimente unter Verwendung morphologischer, physiologischer und demographischer Merkmale ein Modell zur Vorhersage der Verbissbelastung und -reaktion von Mischbaumarten in naturnahen Buchenwäldern zu entwickeln.
Die Studien i) und ii) zum Einfluss der abiotischen und biotischen Standortbedingungen auf die Verbissbelastung sollen im Hainich stattfinden. Zum einen soll ein Experiment zur Erfassung der Fraß-Präferenz des Rehwildes eingerichtet werden. Dazu werden ca. 40 Flächen à 5m x 5m mit unterschiedlicher Diversität der Verjüngung ausgewählt und ggf. durch Entfernen von Individuen der Verjüngung einzelner Baumarten so manipuliert, dass Bestände mit 1, 2, 3, und 5 Arten in der Verjüngungsschicht entstehen (jeweils Kombinationen von Buche, Ahorn und Esche, plus vermutlich Eiche & Linde). Über zwei Jahre hinweg wird die Verbissbelastung der einzelnen Arten beobachtet, indem jeweils zwei Mal pro Jahr die Verbissbelastung aller Individuen, getrennt nach Arten und Höhenklassen, kartiert wird. Das Experiment soll generelle Aussagen ermöglichen zur Fraß-Präferenz des Wildes in Abhängigkeit des Nachbarschaftsangebots schmackhafter und weniger schmackhafter Baumarten, d.h. der Identität der Nachbarschaftsarten sowie ihrer Diversität. Zum anderen soll der Einfluss der Standortfaktoren auf die Verbissbelastung am Beispiel Hainich untersucht werden. Die Grundlage für diese Teilstudie bilden vorhandene detaillierte Kartierungen der Baumartenverjüngung im Hainich durch die AG Wirth (Th. Guse) sowie durch Dr. C. Seele (beide Aufnahmen aus dem Jahr 2008). Eine weitere aktuelle Kartierung der Verjüngung (Artenanteile, Wuchshöhen, Verbissbelastung) auf ca. 100 Flächen à 25m² entlang der Gradienten der abiotischen Hauptfaktoren (Bodentyp, Lichtintensität) soll die Datengrundlage gezielt ergänzen. Mittels einer statistischen Analyse des Zusammenhangs zwischen dem Verbiss der Baumarten und den vorherrschenden Standortfaktoren wird ein Modell zur Vorhersage der Verbissbelastung der einzelnen Baumarten entwickelt.
Um die Frage iii) nach der Interaktion von funktionellen Eigenschaften und Reh-Verbiss zu beantworten, werden im Arboretum Großpösna bei Leipzig in einem Experiment 25 Baumarten der temperaten Laubwälder untersucht. Dazu werden Jungpflanzen mit einer Höhe von 50-150cm (Äserhöhe) angepflanzt und zwei Treatments ausgesetzt. Zum einen erfahren die Jungpflanzen simulierten Verbiss, indem durch „Clipping“ mechanisch die Blätter bzw. Knospen der Haupttriebe entfernt werden, sowie zur Simulation des chemischen Einflusses Rehspeichel auf die Schnittstelle aufgetragen wird. Die Speichelproben werden vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) zur Verfügung gestellt. Des Weiteren wird mittels unterschiedlicher Beschattung mit Dächern die Lichtintensität manipuliert, um mögliche Interaktionen zwischen Verbiss-Reaktion und Lichtverfügbarkeit feststellen zu können. Über zwei Jahre hinweg werden die morphologischen und chemischen Eigenschaften von Blättern und Knospen und ihre Veränderung infolge des Verbisses bei verschiedenen Lichtintensitäten untersucht. Die chemischen Analysen finden am MPI für Chemische Ökologie in Jena statt.
Für Studie ii) würden wir gerne wenn möglich auf Flächen des Nationalparks arbeiten. Zur besseren Planung dieses Präferenz-Experiments, insbesondere der Auswahl der Untersuchungsflächen anhand ihrer Arten und Diversitätslevel, würden wir uns über Hinweise Ihrerseits freuen. Die Ergebnisse der Dissertation stellen wir selbstverständlich dem Nationalpark zur weiteren Verwendung (bspw. Forschungsbericht) zur Verfügung.


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Bei der Marktkirche 9
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e-mail Nationalpark.Hainich@NNL.thueringen.de
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