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Die meisten Offenlandvögel in Europa zeigen in jüngster Zeit starke Bestandsrückgänge, die insbesondere auf die Intensivierung der Landwirtschaft zurückgeführt werden. Untersuchungen zu alternativen Rückgangsursachen sind allerdings selten.
Wir untersuchten Unterschiede im Fortpflanzungserfolg als mögliche Ursache für den beobachteten Rückgang einer fragmentierten Population des Wiesenpiepers Anthus pratensis, einer typischen Vogelart extensiv genutzter Grünlandflächen in Europa.
Eine intensive Nestersuche zwischen 2020 und 2022 lieferte Informationen über den Bruterfolg von 53 Weibchen in neun inselartigen Offenland-Habitaten entlang eines 18 km langen Höhenrückens im Nordschwarzwald. Der Schlupfzeitpunkt verzögerte sich um etwa 5 Tage pro 100 Höhenmeter und lag in einem Jahr mit kalter und regnerischer Witterung etwa 10 Tage später. Der Fortpflanzungserfolg pro Weibchen und Jahr (3.45 flügge Jungvögel) war im Vergleich zu Literaturwerten (ca. 4.5) relativ gering und könnte daher eine der Ursachen für den anhaltenden Rückgang der Population sein. Die nach der Mayfield-Methode ermittelte Überlebensrate der Nester (ca. 51%) war vergleichsweise hoch, wobei die meisten Nestverluste durch Prädation oder ungünstige Witterungsbedingungen verursacht wurden. Der geringe Fortpflanzungserfolg war zudem durch relativ kleine Gelegegrößen und geringe Anteile an Zweitbruten in Teilflächen mit dichter und homogener Krautschicht gekennzeichnet.
Um den Fortpflanzungserfolg der Population zu erhöhen, halten wir auf Basis der Ergebnisse eine extensive Beweidung mit Rindern sowie ein Zurückdrängen der Gehölze für besonders zielführend.


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