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Last changed on: 08.11.2019

2014 Maier, Patrick: Wintersport im Nationalpark Schwarzwald – Eine Vorstudie zum Besuchermanagement und zur Besucherlenkung in Großschutzgebieten

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Description

Die Natur des Nationalparkgebiets kann als außergewöhnlich bezeichnet werden. In den klimatisch rauen Berglagen konnte sich an vielen Orten ein sehr ursprüngliches Bergwaldsystem halten oder entwickeln. Zu nennen ist dabei vor allem die Kombination der verschiedensten Lebensräume auf engem Raum. Diese reichen von den hellen Grindenflächen in den Gipfellagen bis zu den dunklen totholzreichen Schluchtwäldern. Die Fülle an geschützten Tier-und Pflanzenarten allein rechtfertigen die Ausweisung des Gebiets als Nationalpark. Ein prominentes und in dieser Arbeit oft zitiertes Beispiel stellt dabei das Auerhuhn dar. Sowohl diese Einzigartigkeit als auch die gute Erreichbarkeit aus allen Richtungen machen das Gebiet für Besucher zu jeder Jahreszeit zu einem beliebten Ausflugsziel. Der Haupteinzugsbereich reicht davon vom südlichen Oberrhein, über das Elsass, die Pfalz, den nördlichen württembergischen Ballungsgebieten, bis hin zur Schwäbischen Alb und dem Südschwarzwald.

Selbst in schneearmen Wintern wie im Jahr 2013/2014 bieten die Höhenlagen des Schwarzwalds über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit Wintersport zu betreiben und sich im Schnee zu bewegen. Dies ist meist auch dann noch der Fall, wenn beispielsweise in der Rhein- und der Neckarebene schon der Frühling Einzug gehalten hat. Konkurrenz bieten in Bezug auf die Höhenlage nur die Vogesen als französisches Pendant zum Schwarzwald und der Südschwarzwald. Der Große Anteil an Gästen im Gebiet aus der nordbadischen Rheinebene und dem angrenzenden Frankreich zeigt, dass viele Besucher aus dieser Gegend den relativ nahgelegenen Nationalpark als Ausflugsziel nutzen. Die Untersuchung im Untersuchungszeitraum hat ergeben, dass es sich dabei vor allem um Wochenendgäste handelt, die selbst mit dem PKW anreisen. Meist reisen sie in Kleingruppen von zwei bis drei Personen an.

In diesem schneearmen Winter konnte dabei ein großer Anteil an Wanderern ausgemacht werden. Erfreulich für die Gastronomie ist dabei, dass fast alle der Befragten angaben im Laufe des Tages eine Einrichtung besucht zu haben, oder dies noch werden. In Hinblick auf die Personen, die sich letztendlich im Gebiet abseits der Parkplätze und den Skiliften befanden, hat sich ein klarer Trend in der Altersstruktur abgezeichnet. Die große Mehrheit der Befragten gab dabei an zwischen den Jahren 1955 und 1970 geboren zu sein und ist demnach zwischen 45 und 65 Jahre alt.

Ein Besuchermanagementkonzept ist im Hinblick auf die Größe des Parks und die Besucherzahlen unabdingbar und sollte zeitnah eingerichtet werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit, die das Erstellen eines Messsystems zur Umweltbewertung und zur Einteilung von Gebieten in Schutzbedürftigkeits-Kategorien in der Praxis, sowie eine Trendanalyse des Besucherverhaltens für ein zukünftiges Besucherlenkungssystem umfasste, sind dabei aus naturschutzfachlicher Sicht im Allgemeinen sehr positiv zu bewerten.

Zusammengefasst und etwas vereinfacht dargestellt kann festgehalten werden, dass der Besucher über den Nationalpark Bescheid weiß. Dies kann durch das große Informationsbedürfnis der Besucher erklärt werden kann. Generell sind die Personen im Gebiet dem Park gegenüber sehr positiv eingestellt. Sie beurteilen ihn mehrheitlich als Chance für die Natur und die Region. Die Angst vor zerfallenden Wäldern durch das Herausnehmen aus der Nutzung und Pflege wurde dabei nur von einer minimalen Anzahl von Personen genannt und liegt unter der statistisch auswertbaren Grenze. Der absolute Großteil hingegen empfand vor allem die hellen Wälder und die dadurch gegebenen schönen Ausblicke als sehr wünschenswert. Im Hinblick auf den Naturschutz erfährt der Nationalpark eine große Akzeptanz. Fast alle Befragten gaben an, dass der Schutz hier an erster Stelle stehen sollte. Dabei sehen die Befragten sogar ein, dass es nötig sein kann, Gebiete für den Besucher zu sperren. Folglich konnte ebenfalls im Hinblick auf das Wegegebot eine sehr große Akzeptanz festgestellt werden. Hier stimmte die Aussage der Besucher mit der Schneespuranalyse sehr gut überein. Es zeigte sich, dass im Untersuchungszeitraum fast niemand die Wege im Nationalparkgebiet für mehr als 20 bis 50 m verlassen hat.

Da bei einem bedeutenden Anteil der Besucher der Wunsch nach Touren durch unpräparierte Wildnis besteht, ist diese Erkenntnis umso erfreulicher. Mit der Infrastruktur der Wege und der Parkmöglichkeiten sind die Besucher im Gebiet sehr zufrieden. Nach Auswertung der Ergebnisse kann festgehalten werden, dass ein weiterer Ausbau der beiden Bereiche nicht nötig ist. Kritikpunkte äußerten die Befragten gelegentlich aufgrund der, aus ihrer Sicht, unzureichenden Anbindung des Gebiets an den öffentlichen Nahverkehr. Inwieweit hier Verbesserungen möglich sind, sollte in einem Besuchermanagementsystem geklärt werden.

Generell gilt: Eine intakte und interessante Natur stellt das Kapital des Nationalparks dar. Es sollte daher auch in Zukunft großes Augenmerk auf den Erhalt der Natur gelegt werden. Wie in der Trendanalyse dargestellt werden konnte, entspricht dies auch dem Wunsch der Gäste. Wenn der Nationalpark skeptisch beurteilt oder hinterfragt wurde, war dies meist aufgrund von Unwissenheit der Fall. Zu nennen ist dabei die Befürchtung, dass Wege oder Loipen in Zukunft gesperrt werden könnten. Da es sich im Nationalpark generell um ein Publikum handelt, das sehr gerne Informationen über das Gebiet erhält, sollte in einem Besuchermanagement die Vermittlung und Veröffentlichung von Zielen einen wichtigen Platz einnehmen. Ob Kampagnen möglich sind, die die wichtigsten Ziele für alle schnell und einfach zugänglich machen, sollte dabei überprüft werden.

Die Auswertung der PKW an den Parkplätzen hat ergeben, dass ca. 10% der Besucher aus Frankreich stammen. Für diese große Gruppe wäre es sinnvoll, wenn die Wegebeschriftung und die Infotafeln übersetzt würden. Dieser Missstand wurde am 01.03.2014 von einem Paar aus Straßburg/ Frankreich angesprochen. Generell sollte über eine Übersetzung der wichtigsten Beschreibungen ins Englische und Französische nachgedacht werden. Durch Gebietsbegehungen und Befragungen konnte ebenfalls festgestellt werden, dass die Beschilderung der Wege teils etwas verwirrend ist. Einzelne Besucher gaben dabei an, von den vielen Wegen, die immer wieder zum gleichen Ziel führen, verunsichert zu sein. Ein Besucherlenkungssystem sollte versuchen dies zu vereinfachen und deutlicher zu gestalten. Gerade im Hinblick auf die Wege sollte in einem Besucherlenkungssystem darauf geachtet werden, dass
die Qualität der Wege erhalten bleibt. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass die angelegten Wege weiterhin gut zugänglich und sicher zu betreten sind. Es ist genauso wichtig, dass dem Besucher Wege zu Verfügung gestellt werden, auf denen er die Natur frei erkunden darf. Solche Trails/ Schneeschuhtrails stellen ein wichtiges Instrument der Besucherlenkung dar, weil sie sowohl dem Wunsch der Besucher nach unberührter Natur als auch dem Wunsch, der Natur nicht zu schaden, Rechnung tragen. In den nächsten Jahren sollte gerade im Hinblick auf die Besucherlenkung ein
GPS-System für Smartphones für die Besucher entwickelt werden. Der Vorteil eines solchen Systems bestünde in der Möglichkeit, dass zu den Orten, an dem sich der Besucher befindet, immer auch die passenden Informationen bereitgestellt werden könnten. Außerdem könnte das Programm den Nutzer warnen, wenn er die erlaubten Wege verlassen würde (vgl. Schrom-Feiertag et al., 2010: 12).

Gerade im Nationalparkgebiet scheint der Einsatz von gut ausgebildeten Rangern als Ansprechpartner sinnvoll zu sein. Auf Managementebene sollte daher überprüft werden, welches Kontingent dazu zur Verfügung gestellt werden kann. Die Überprüfung der entwickelten und zusammengestellten Methoden hat gezeigt, dass die Analyse funktioniert. Durch eine weitere Standardisierung könnte ein umfangreiches Bild über das Besucherverhalten erstellt werden. Dazu wäre es nötig, dass solche Zählungen und Befragungen über einen längeren Zeitraum und vor allem flächig erstellt werden würden. Wichtig wäre zumindest eine einmalige Gebietsanalyse, die über einen kompletten Winter erarbeitet würde. Dabei wäre eine höhere Auflösung der Besucherzahlanalyse an den Parkplätzen und im Gebiet abseits der Parkplätze
über den Zeitraum an sich, aber auch über die Tagesgänge wünschenswert.

Des Weiteren sollte die Befragung mittels der Interviews im Gelände, aber vor allem auch über die Fragebögen in Papier- oder in elektronischer Form fortgeführt werden. Eine Befragung von 60 Personen wie sie in dieser Arbeit durchgeführt wurde, ist ausreichend um einen Trend darzustellen, sollte aber für eine wissenschaftlich belastbare Aussage zu klein sein. Es ist daher nötig, diesen Trend durch weitere Befragungen abzusichern.

Der Erfolg des Besuchermanagements im Nationalpark dürfte in der erfolgreichen Implementierung eines Besuchermanagementsystems in das bestehende System der Nationalparkleitung zu suchen sein. Wichtig dabei ist, dass sowohl Kommunikationsbarrieren, Managementbarrieren oder Insellösungen (vgl. Schulz, 2010b: 33) vermieden werden und ein offener Austausch zwischen den Themengebieten herrscht.


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